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Die Wurm (niederl. Worm) ist ein 53 Kilometer langer Nebenfluss der Rur in der Euregio Maas-Rhein.
Name
Der Name erscheint erstmals im Jahr 830 als Vurmius. Er wird dabei als Ableitung des Wortes warm erklärt,[4] der sich auf die Thermalquellen bezieht, aus denen sich die Wurm teilweise speist (siehe auch Herleitung des Städtenamens von Würselen).
Eine weitere Erklärungsmöglichkeit ist eine alteuropäische Bildung mit m-Suffix zu indogermanisch *uer-, *our- mit der Bedeutung „Wasser, Regen, Fluss“.
Geographie
Verlauf
Die Wurm entspringt dem Quellhorizont am Fuße des Düsbergkopfes, einer Erhebung im Aachener Wald, südlich von Aachen, nahe der B 57 bei Steinebrück (Diepenbenden), und fließt in Richtung Norden ins Aachener Becken. Von ihren Quellen auf zirka 260–280 m ü. NN verläuft die Wurm mit einer durchschnittlichen Durchflussmenge von 1,4 m³/s hinunter zur Rur, in die sie nach 53 Kilometern bei Heinsberg-Kempen auf einer Höhe von nur noch 32 m über NN mündet. Die Wassertiefe beträgt dort etwa einen Meter und die Breite etwa acht Meter. Das oberirdische Einzugsgebiet beträgt rund 354 Quadratkilometer. Zuständig für die Wurm ist der Wasserverband Eifel-Rur (WVER).[5]
Aachener Becken
Die Wurm entspringt am Nordabhang des südlich von Aachen gelegenen Aachener Waldes auf Aachener Stadtgebiet bei Steinebrück (Diepenbenden) und fließt in Richtung Norden, hinab ins Aachener Becken. Am nördlichen Ende der Soers verlässt die Wurm als einziger Abfluss das Aachener Becken. Der Aachener Wald ist eine Höhenstufe im Übergangsbereich von der Norddeutschen Tiefebene (Kölner Bucht) zum Rheinischen Schiefergebirge (Eifel). Er bildet einen Teil einer Wasserscheide; an seinem Südhang entspringende Gewässer fließen über die Göhl direkt westlich zur Maas, während die am Nordhang entspringenden Gewässer über Wurm und Rur nördlich zur Maas fließen.
Im Stadtgebiet von Aachen sind über 20 Thermalwasserquellen mit einer Austrittstemperatur von über 50 °C bekannt, in Burtscheid bis zu 74 °C. Bereits in römischer Zeit wurde ein Teil des Bachwassers der Wurm oberhalb des Quellgebietes der Burtscheider Thermalquellen kanalisiert (Kalter Bach) und an den Thermalquellen vorbei geleitet, um die Frischwasserversorgung der Ansiedelung im Aachener Kessel zu gewährleisten. Der natürliche Bachlauf nahm im tiefsten Teil des Burtscheider Tales die Abwässer der Thermalquellen auf und wurde als Warmer Bach bezeichnet. In späteren Zeiten war das kalte Wurmwasser äußerst wichtig für die Aachener und Burtscheider Tuchfabrikation, die viel weiches Wasser benötigte. Dieses Wasser konnte nur aus Bächen entnommen werden, die nicht mit Thermalwasser „verunreinigt“ waren, da dieses aufgrund des hohen Gehalts an Mineralien und Carbonaten zu hart und für einige Arbeitsschritte unbrauchbar war. Im Stadtarchiv Aachen existieren viele historische Dokumente, mit denen die Wassergerechtsame an der Wurm und anderen Bächen geregelt wurden, wobei die Tuchfabrikanten den Löwenanteil erhielten. Der Kalte und der Warme Bach vereinigen sich erst unterhalb der nordöstlichsten Burtscheider Quellenaustritte im Frankenberger Viertel.
Noch im Bereich des Aachener Beckens nimmt die Wurm die Mehrzahl der anderen Aachener Bäche auf, darunter den Beverbach, den Gillesbach, den Kupferbach, den Predigerbach, den Goldbach und den Paubach (alle südlich und östlich des Aachener Stadtzentrums einmündend) sowie den Kannegießerbach, den Johannisbach und den Haarbach.[6] Damit ist die Wurm der Vorfluter des Aachener Beckens und der natürliche Ablauf der im Aachener Becken zusammenfließenden kalten und warmen Bäche.
Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Wurm unter Aachen kanalisiert. Im heutigen Aachener Stadtgebiet befinden sich Teile der Wurm nur noch nahe der Quelle und südlich des Ortsteils Haaren, etwa ab dem Europaplatz an der Erdoberfläche. Im Übrigen verläuft der Bach von Burtscheid kommend, wo er bereits unterirdisch verläuft, etwa entlang von Bachstraße, Brabantstraße, Kongressstraße, Aretzstraße und Talstraße zum Europaplatz. Nördlich des Europaplatzes tritt die Wurm wieder zutage, passiert Gut Kalkofen, Haaren und die Soers und erreicht dort das Wurmtal. Kurz bevor sie das Aachener Stadtgebiet verlässt, haben 2009–2010 umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen stattgefunden. Das Wurmtal ist ein Kerbsohlental, das sich mit teilweise sehr steilen Hängen in die nördlich von Aachen gelegenen Gebiete einschneidet. In diesem Bereich hat die Wurm viele Mäander, insbesondere im Wurmtal zwischen Würselen und Herzogenrath.
- Wurm im Aachener Becken um 1569
- Übersichtskarte der Aachener und Burtscheider Thermalquellen
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Naturschutzgebiet Wurmtal
Auf dem Gebiet der Städte Würselen und Herzogenrath liegt zu beiden Seiten der Wurm das auch als Naherholungsgebiet genutzte Naturschutzgebiet Wurmtal, das geografisch in die zwei Einzelgebiete „Wurmtal südlich Herzogenrath, einschließlich Meisbach“ und „Wurmtal nördlich Herzogenrath“ unterteilt ist. Südlich der Stadt Herzogenrath ist es ca. 445 Hektar groß und wird in weiten Teilen von frei schwingenden Flussmäandern der Wurm in der offenen, vielfach landwirtschaftlich genutzten Talaue geprägt. Im Bereich von Würselen liegen am östlichen Rand des Wurmtals die ökologisch wertvolle Weiße Halde (Kalkrückstände der Soda-Industrie) sowie die auf Steinkohlenbergbau zurückgehende Schwarze Halde mit interessanter Trockenflora. In Würselen-Morsbach findet sich das Stollenmundloch der ehemaligen Grube Gouley (Steinkohle), das in die Wurm entwässert. Bereits 1989 wurde das Wurmtal als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Das Naturschutzgebiet Wurmtal nördlich von Herzogenrath ist nur etwa 19 Hektar groß. Die Wurm fließt dort als unverbauter Tieflandfluss in einem Silberweiden-Aubruchwald. Dort sind auch entsprechende Hinweistafeln (Naturlehrpfad) mit vielen Informationen zur Wurm und der von ihr beeinflussten Naturlandschaft zu entdecken.
Der unverbaute Talraum der Wurm ist teilweise nur wenige hundert Meter breit, und die Bebauung der Siedlungen reicht oftmals bis unmittelbar an die häufig bewaldeten Hänge heran. Die Wurm mit ihren krautreichen Uferlinien weist durch viele Steiluferabbrüche und Anlandungen einen ökologisch bedeutsamen Strukturreichtum auf. Überhängende Abbruchkanten und breite, mit Kies und Geröll überdeckte Anlandungen kennzeichnen den Verlauf der Wurm.
Wegen der von den Kies- und Sandanlandungen der Wurm geprägten kleinräumigen Ökosysteme wirkt das Gewässer besonders anziehend auf bestimmte, teils seltene Vogelarten wie beispielsweise den Flussuferläufer, den Waldwasserläufer, die Bekassine sowie den Wasserpieper. In den Uferabbruchkanten der Wurm findet auch der seltene Eisvogel, der als Brutvogel im Wurmtal und im Amstelbachtal vorkommt, ideale Nistmöglichkeiten. Als stark gegliederter Naturraum hebt sich das Wurmtal deutlich von der umgebenden, ausgeräumten Bördelandschaft mit hoher Siedlungsdichte ab und ist deshalb von überregionaler Bedeutung für Durchzügler und überwinternde Vögel sowie als Lebensraum für eine Vielzahl teils seltener, teils bedrohter Tier- und Pflanzenarten.[7]
Per Beschluss der nordrhein-westfälischen Landesregierung wurde das Wurmtal von Herzogenrath an flussaufwärts im Juni 1998 und flussabwärts von Herzogenrath im Jahr 2000 der Kommission der Europäischen Union als Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebiet gemeldet. Dadurch werden die Naturlandschaft und die darin enthaltenen kleinräumigen Ökosysteme geschützt.
Flussabwärts bzw. nördlich von Herzogenrath öffnet sich das Wurmtal allmählich, die Talhänge werden zunehmend flacher und der Höhenunterschied zum Umland nimmt deutlich ab.[8]
Wurmverlauf-Beschreibung+Wurm bei Palenberg