Beschreibung Teil 2
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Villaon Außen und Beschreibung Teil 2
Bau
Nachdem Bodenuntersuchungen gezeigt hatten, dass sich auf dem Gelände etliche alte Schachtanlagen befanden, die für die Bauarbeiten zunächst gesichert werden mussten, begannen 1869 schließlich die Arbeiten an der eigentlichen Villa. Aus Nizza wies Krupp die Prokura an, die Arbeiten für die Anlage des Fundamentes vorzubereiten. Für die konkrete Umsetzung wurde dringend ein Architekt gesucht, wozu am 15. April 1869 in der Deutschen Bauzeitung eine entsprechende Annonce erschien. Da diese jedoch ohne die erhoffte Resonanz blieb, folgten am 30. September zwei weitere Anzeigen im gleichen Blatt. Der Mangel an Verständnis, der den Konflikt zwischen den späteren Architekten und dem Bauherrn auslösen sollte, begann sich jetzt schon abzuzeichnen. So drängte Krupp auf eine Ausschreibung der Materialien für den Bau der Villa und die Anlage eines Hafens für deren Antransport, obwohl noch keine konkreten Planungen für die Gebäude vorlagen. Die Tatsache, dass keine brauchbaren Pläne vorlagen, aus denen die spätere Gestalt der Villa zu ersehen war, erschwerte zudem die Suche nach einem Architekten. So lehnte beispielsweise Richard Lucae eine Anstellung mit der Begründung ab, dass Barchewitz’ Pläne aus seiner Sicht komplett überarbeitet werden müssten.
Da sich bis zum 4. Oktober noch kein passender Architekt gefunden hatte, schlug Kraemer vor, sich an den Kölner Dombaumeister Richard Voigtel zu wenden, um zumindest die Materialfrage klären zu können. Auch weil Krupp Angst vor Feuer hatte, wurden beim Bau – wo immer möglich – nichtbrennbare Materialien wie Stein, Stahl oder Glas vorgesehen. Des Weiteren begab er sich persönlich auf die Suche nach qualifizierten Architekten, die das Projekt realisieren sollten. Dabei stellten sich allerdings zwei Punkte als größte Schwierigkeit heraus: Zum einen wurden die Pläne von Barchewitz als indiskutabel angesehen, und zum anderen schreckte die häufige Einmischung Krupps und seine Ansicht über die Rolle des Architekten als Erfüllungsgehilfe seiner Vorstellungen kompetente Fachleute ab. Diese von Kraemer geäußerte Kritik prallte an Krupp allerdings ab. In einem Brief vom 13. Oktober 1869 antwortete er Kraemer: „Wenn es auch nicht in Berlin ist, so wird der Rest des großen civilisierten Erdballs doch wohl einen Dirigenten der praktischen Arbeit liefern, wie wir ihn brauchen … An Größen und Lagen, so wie Verbindungen der Räume und an Lage der Gebäude will ich nichts ändern lassen, denn ich will das Ganze nach meinen Begriffen wie Comfort und Annehmlichkeit ausgeführt haben und dies kann nur hier unter meinen Augen bei täglicher Besprechung gelingen.“[3]
Am 23. und 24. Januar 1870 trafen sich Richard Voigtel, Paul Emanuel Spieker, Julius Emmerich, Gustav Hans Karl Diechmann und Gustav Kraemer zu einer Konferenz über den Bau der Villa. Ferdinand Barchewitz wurde schon nicht mehr eingeladen. Das Verhältnis zwischen ihm und Krupp hatte sich zwischenzeitlich abgekühlt, und er war ab diesem Tag nur noch für die Neben- und Wirtschaftsgebäude zuständig. Spieker erklärte sich bereit, die Pläne Barchewitz’ zu überarbeiten. Zusammen mit Johann Eduard Jacobsthal legte er Krupp eine überarbeitete Planung vor, welche Änderungen an Loggien oder Balkonen enthielten. Krupp lehnte diese ab und sie mussten wieder aus den Plänen gestrichen werden.
Spieker kommentierte den Ablauf der Planung einmal in einem Brief an einen Kollegen: „Bei dem schleierhaften Geheimnis aber, das die Verhältnisse bedeckt, fährt man mit einer Stange im Nebel herum!“[3] Anschließend begab er sich auch auf die Suche nach einem geeigneten Architekten für die Bauleitung. Allerdings wies er Krupp darauf hin, dass allein dessen Vorstellung bezüglich des Gehaltes von 2400 bis 3000 Talern pro Jahr keinen namhaften Architekten anlocken würde. August Orth beispielsweise habe, so berichtete er, seines Wissens ein Einkommen zwischen 6000 und 8000 Talern pro Jahr. Sein erster Vorschlag, Victor von Weltzien, wurde von Krupp aufgrund seiner adeligen Herkunft abgelehnt. Auch sein zweiter Vorschlag, Eduard Schwarz, traf auf wenig Gegenliebe, da dieser sein Baumeisterexamen nicht abgeschlossen hatte. Nach einem intensiven Briefwechsel kam es am 1. April 1870 schließlich doch zur Einstellung von Schwarz, so dass die Bautätigkeit wieder aufgenommen werden konnte.
Die Bauleitung stand von Anfang an unter großem Druck. Nach dem Beginn der Arbeiten musste Schwarz als erstes schriftlich versichern, dass der Rohbau bis Oktober 1870 fertiggestellt sein würde. Hinzu kamen die häufigen Rügen und Ermahnungen von Krupp. So wurde jegliches herumliegende Material, das sich nicht an seinem vorgesehenen Platz befand, durch Krupp schriftlich vermerkt. Nach der Fertigstellung der Kellerdecke stellten Krupp und Schwarz am 15. Juli bei der Baupolizei schließlich den Antrag für die Baugenehmigung des Wohnhauses. Obwohl die Grundstücksfläche nicht mitgeteilt worden war, erfolgte die Genehmigung ohne Probleme.
Im selben Jahr beeinträchtigte der Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges am 19. Juli die Bauarbeiten: Die Mehrzahl der französischen Steinmetze verließ die Baustelle und ein Teil der deutschen Arbeiter wurde zum Militärdienst eingezogen. So waren am Bau nur noch vierzig Steinsäger, 300 Maurer und 450 Erdarbeiter beschäftigt. Hinzu kam, dass Spieker und Jacobsthal vorzeitig ihre Stellen aufgaben und somit die Pläne nicht vollständig überarbeitet wurden. Im August berief Schwarz eine Konferenz aller am Bau Beteiligten ein, da mehr und mehr offensichtlich wurde, dass der Termin der Fertigstellung nicht mehr einzuhalten war. Aufgrund des Material- und Personalmangels wurde die Fertigstellung des Rohbaues auf den 30. November verschoben. Des Weiteren wurde ein Teil der Verkleidung mit Naturstein durch Ziegel ersetzt. Zudem mussten Warnungen, dass im südöstlichen Bereich des Hauptgebäudes Bergschäden zu befürchten seien, ignoriert werden, da sonst der Bauablauf gefährdet würde. Im November konnte dann der Rohbau zum neuen Termin fertiggestellt werden.
Doch bereits zu diesem Zeitpunkt zeigten sich Risse im Bauwerk. So sollten die betroffenen Fundamente untermauert werden. Da die notwendigen Bodenuntersuchungen noch nicht abgeschlossen waren, konnte der Umfang der Arbeiten noch nicht abgeschätzt werden. Heftige Regenfälle hatten im Herbst die Fundamente unterspült, so dass am 23. Dezember 1870 der Boden unter der südwestlichen Ecke rund 20 cm absackte und der Erker vom Gebäude abgerissen wurde. Der Zorn Krupps über dieses Unglück richtete sich fast ausschließlich gegen Schwarz, der an jenem Tag bereits bei seiner Familie in Berlin weilte. In einem zwölfseitigen Schreiben machte er seinem Ärger Luft. So schrieb er, Schwarz habe es vorgezogen, „dem Vergnügen nachzugehen, schon am Werktage Sonnabend die Arbeit verlassen, statt die Feiertage der Sicherung des Baues zu widmen“.[3]
Die Zeit für Schwarz begann abzulaufen. Krupp übertrug nun die Bauleitung an das Baugeschäft Funcke und Schürenberg. Kraemer, der auch von den Vorgängen betroffen war, nahm Schwarz in einem Schreiben vom 28. Dezember in Schutz und drohte sogar damit, wenn die Anordnung Krupps bezüglich der Bauleitung nicht rückgängig gemacht würde, mit der Kündigung. In einem weiteren Schreiben Kraemers vom 4. Januar 1871 schlossen sich dem etliche leitende Angestellte des kruppschen Baubüros an. Zudem wurde der Fertigstellungstermin, den Krupp eigenmächtig auf Oktober 1871 festgelegt hatte, nicht akzeptiert. Krupp reagierte, indem er ein separates Baubüro für die Baustelle einrichtete und Julius Rasch mit der Leitung des Büros beauftragte. Kraemer war ab diesem Tag nur noch für die Bautätigkeiten auf dem Werksgelände zuständig. Schwarz war nun Rasch unterstellt. Daraufhin reichte er umgehend Urlaub ein. Schließlich folgte am 1. März 1872 seine Entlassung.
Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit veranlasste Rasch zahlreiche Änderungen in der Organisationsstruktur des Baubüros. Mit diesem Vorgehen brachte er einen Großteil der Belegschaft gegen sich auf. Trotzdem wurden die Arbeiten wieder aufgenommen, gingen aber Krupp nicht schnell genug voran. Rasch ging es, was das Verhältnis zu Krupp anbelangte, nicht besser als seinen Vorgängern. Bereits im Mai 1872 setzte sich Krupp mit Paul Emanuel Spieker in Verbindung, damit dieser, zusammen mit Johann Eduard Jacobsthal, Rasch fachlich in seine Schranken weisen sollte. Zudem überhäufte Krupp auch ihn mit Rügen und Mahnungen; schlussendlich wurde die Villa unter der Leitung von Rasch fertiggestellt und es folgte am 10. Januar 1873 der Einzug der Familie Krupp. Damit war die von Krupp anfangs fixierte Bauzeit um rund anderthalb Jahre überschritten.